Greenville Wissen rund ums Holzhaus

Aussteifungeinfach erklärt.

Was ist eine Aussteifung, warum braucht jedes Haus eine und wie wird ein Holzhaus ausgesteift? Wir erklären Ihnen diesen Begriff verständlich und auf den Punkt.

Grundlagen

Warum braucht ein Haus eine Aussteifung?

Die meisten Lasten in einem Haus wirken senkrecht nach unten: das Eigengewicht, Möbel, Schnee auf dem Dach. Wind dagegen drückt seitlich gegen Fassade und Dach.

Ein Rahmen aus Stützen und Balken allein kann solchen Kräften kaum etwas entgegensetzen. Er würde sich zur Seite verschieben, aus dem Rechteck würde ein schiefes Parallelogramm. Erst eine Platte oder eine Diagonale macht den Rahmen steif – genau das ist die Aussteifung.

Damit das ganze Haus stabil ist, müssen aussteifende Bauteile in beiden Richtungen vorhanden sein und die Kräfte von Bauteil zu Bauteil weitergeben: vom Dach über die Decken und Wände bis ins Fundament.

Gut zu wissen

Wie ein Haus ausgesteift wird, berechnet der Statiker. Große Fensterflächen und offene Grundrisse nehmen Wandfläche weg, die sonst aussteifen könnte. Deshalb sollte die Aussteifung von Anfang an mitgeplant werden.

Technische Illustration

Rahmen ohne und mit Aussteifung

Wandrahmen ohne und mit Aussteifung Zwei gleiche Wandrahmen auf einem Fundament, auf die von links Wind drückt. Links ohne Aussteifung: Der Rahmen verschiebt sich zu einem schiefen Parallelogramm, die Ausgangsform ist gestrichelt. Rechts mit einer roten Beplankung: Der Rahmen bleibt rechteckig und stabil. Ohne Aussteifung Mit Aussteifung Wind Wind Beplankung verschiebt sich bleibt stabil
aussteifende Beplankung Rahmen Fundament Ausgangsform
Vereinfachte Ansicht: Erst die Aussteifung verhindert, dass sich ein Rahmen unter seitlichem Wind verschiebt. Statt einer Platte kann auch eine Diagonale diese Aufgabe übernehmen. Nicht maßstabsgetreu.
Im Holzhaus

Wie wird ein Holzhaus ausgesteift?

In einem Holzhaus übernehmen meist die flächigen Bauteile die Aussteifung. Sie wirken als sogenannte Scheiben, also als steife Flächen, die Kräfte in ihrer Ebene weiterleiten:

  • Wandscheiben: Holzrahmenwände, deren Rahmen fest mit Platten aus Holzwerkstoff oder Gipsfaser verbunden ist
  • Deckenscheiben: Geschossdecken, die die Kräfte waagerecht zu den aussteifenden Wänden weitergeben
  • Dachaussteifung: diagonale Windrispen aus Holz oder Stahlband oder eine Beplankung der Dachfläche
  • Verankerung: Anker, die die Wände mit dem Fundament verbinden, damit sie nicht kippen oder verrutschen
Im Massivbau

Und bei gemauerten Häusern?

Auch ein Massivhaus braucht eine Aussteifung. Dort übernehmen vor allem Querwände und Betondecken diese Aufgabe.

Das Prinzip ist dasselbe: Steife Flächen in beiden Richtungen halten das Gebäude stabil.

Montage eines Greenville-Holzhauses am Hang mit Kran und Baugerüst über dem hangseitigen Untergeschoss aus Stahlbeton
Das Holzhaus entsteht: hangseitig Stahlbeton, talseitig Holzbau.
Die Greenville-Bauweise

Aussteifung am Hang: Beton nur, wo er gebraucht wird

Bei Häusern am Hang verbinden wir Beton und Holzbau gezielt. Treppe, Hauswirtschaftsraum und Bad liegen hangseitig in Betonbauteilen. Sie sind gleichzeitig statische Aussteifung und Hangsicherung. Davor wird das Holzhaus angedockt, und die Decke zum Obergeschoss ist aus Holz.

So auch bei einem Haus, bei dem wir statt eines Vollkellers einen Teilkeller gebaut haben: Nur dort, wo der Hang gegen das Haus drückt, steht eine Stahlbetonwand, dazu eine Eckaussteifung für die Stabilität. Der Wohnraum entsteht in Holzbauweise.

Wichtig: Wie ein Haus ausgesteift wird, wird für jedes Gebäude und jedes Grundstück einzeln berechnet.