Bauen am Steilhang geht auch ohne Keller – selbst bei einem New England Haus. Bei diesem Haus am Steilhang in der Schweiz haben Arsen im Boden, Anker bis ins Nachbargrundstück und geschätzte 200'000 Franken für Erdarbeiten und Bodenaustausch den Keller gestrichen. Es steht auf einer Bodenplatte, vierzehn Betonsporen halten den Hang.
So soll es einmal aussehen – das New England Haus am Steilhang, Visualisierung – GREENVILLE
Gerade entsteht ein individuell geplantes New England Haus an einem steilen Hang in der Schweiz – für eine junge Familie, die den Innenausbau selbst übernimmt. Geplant war ursprünglich ein Keller. Arsen im Boden, Anker bis ins Nachbargrundstück und geschätzte 200'000 Franken für Erdarbeiten und Bodenaustausch haben das geändert. Jetzt steht das Haus auf einer Bodenplatte, gesichert von massiven Betonsporen im Hang.
„Manche Häuser erzähle ich erst, wenn sie fertig sind. Dieses nicht. Denn das Spannendste an diesem Haus passiert gerade – unter der Erde.“
Gartenseite mit Porch, Visualisierung – der Hang umarmt das Neu England Haus auf der Rückseite – GREENVILLE
1950 brauchte dieser Hang keinen einzigen Betonsporn
1950 hat man direkt nebenan ein Haus in diesen Hang gebaut. Ohne einen einzigen Betonsporn. Es ist das Elternhaus der Familie, für die wir gerade bauen.
Gut 70 Jahre später liegt auf dem Grundstück daneben eine Baustelle, die über einen Monat lang nur eine Aufgabe hatte: den Hang zu halten. Derselbe Hang, eine andere Zeit.
Ich zeige dir dieses Projekt, solange es noch eine Baustelle ist – solange es entsteht und wächst. Nicht, weil es schon fertig wäre – sondern weil man an dieser Baustelle besser als an jedem fertigen Haus sieht, was Bauen am Steilhang heute wirklich bedeutet.
Man sieht die echte Herausforderung. Den technischen Aufwand, den es braucht, um so ein Vorhaben umzusetzen – und den man nicht mehr sieht, wenn die letzten Rosenbüsche gepflanzt sind und die ersten Gartenstühle auf der Porch ihren Platz gefunden haben.
Ein New England Haus für eine junge Familie
Die Bauherren sind eine junge Familie. Sie haben sich ein New England Haus gewünscht: helle Holzfassade, Sprossenfenster, ein steiles Satteldach – und eine Veranda, die Porch, wie die Amerikaner sie liebevoll nennen.
Im Erdgeschoss liegen auf rund 95 m² Foyer, Küche, ein großer Wohn- und Essbereich mit knapp 47 m², ein Arbeitszimmer und ein Duschbad mit Hauswirtschaftsraum. Oben, auf rund 78 m², schlafen Eltern und Kinder: Elternzimmer, zwei Kinderzimmer, Bad – und ein Allroom mit gut 23 m².
Der Allroom ist ein Raum ohne feste Aufgabe. Heute Spielzimmer, morgen Fernsehecke, übermorgen Gästezimmer. Genau das, was eine junge Familie braucht, die noch nicht weiss, wie ihr Alltag in zehn Jahren aussehen wird.
Und die Familie hat sich noch etwas offen gelassen, das ich bei jungen Bauherren immer klug finde: Das Obergeschoss kann später zu einer eigenen Wohnung werden, die sich separat vermieten lässt. Der separate Eingang dafür liegt hangseitig neben der Treppe. Weil im Obergeschoss keine Wand tragend ist, lässt sich die Wand im Allroom dann einfach entfernen.
Ein Haus, das heute ein Familienhaus ist. Und morgen vielleicht zwei Zuhause.
Der ursprüngliche Plan: Keller und Garage im Hang
Am Anfang sah alles anders aus. Das Haus sollte unterkellert werden, und davor, unter dem Garten, war eine Garage geplant. Am Hang ist das ein naheliegender Gedanke: Man muss ohnehin graben – also nutzt man den Raum.
Eine frühe Visualisierung aus der Planungsphase (November 2024) – GREENVILLE
Dann kamen zwei Befunde, die alles verändert haben.
Arsen im Hang
Im Boden wurde Arsen gefunden. Für einen Keller hätte der ausgehobene Boden komplett ausgetauscht werden müssen.
Das Verrückte daran: Wahrscheinlich liegt das Arsen im ganzen Hang. Vor drei Jahren wurde in der Nachbarschaft noch ohne Bodenaustausch gebaut. Heute wurde es nachgewiesen – und dann muss man damit umgehen.
Anker im Nachbargrundstück
Der zweite Punkt war die Hangsicherung selbst. Für einen Keller hätten die Anker der Sicherung so weit in den Hang geschossen werden müssen, dass sie im Nachbargrundstück gelandet wären. Das bedeutet: ein Eintrag im Grundbuch – mit allen Komplikationen, die das mit sich bringt. Und immense Mehrkosten.
200'000 Franken – nur für den Untergrund
Die Erdarbeiten und der Bodenaustausch für die Unterkellerung wurden auf 200'000 Franken geschätzt. Nur dafür. Das hätte das Budget dieser Familie nicht ein bisschen überschritten, sondern masslos.
Also haben wir den Keller gestrichen.
Ein Keller ist kein Muss. Ein Budget, das bis zum Einzug reicht, schon.
Ob sich ein Keller lohnt, hängt vom Bauplatz ab. Die Grundsatzfrage – mit oder ohne Keller bauen – erkläre ich hier ausführlich.
Kein Keller, sondern eine grosse Stufe
Ohne Keller konnten wir die Hangsicherung abstufen – mit einer einzigen, grossen Stufe im Gelände. Unter dem Haus kommt jetzt nur noch eine Bodenplatte. Den Hang dahinter halten massive Betonsporen.
Betonsporen kannst du dir vorstellen wie Strebepfeiler aus Beton, die in den Hang greifen und ihn Stück für Stück abstützen. Jeder einzelne misst im Querschnitt rund 80 auf 180 Zentimeter. Vierzehn davon stehen jetzt im Hang.
Jetzt: Das Haus steht auf einer Bodenplatte. Davor, unter dem Garten, liegen Garage und Technikraum. Schnitt aus der 3D-Planung
Die grosse Stufe: Unten die Fläche für das Haus, am Hang die Betonsporen.
Dass das Elternhaus nebenan 1950 ganz ohne Sporen auskam, heisst nicht, dass der Hang damals harmloser war. Die Anforderungen an die Sicherung eines Hangs sind in den letzten 70 Jahren schlicht deutlich gestiegen.
Am Hang entscheidet nicht der Grundriss über das Budget – sondern das, was unter der Erde passiert.
Was gerade auf der Baustelle passiert
Über einen Monat hat allein die Hangsicherung gedauert. Jetzt wachsen vor dem Haus die ersten Betonwände aus der Baugrube: Hier entstehen Garage und Technikraum, darüber liegt später der Garten.
Rote Schalungselemente, Bewehrung, frischer Beton. Und dahinter der Hang, der jetzt hält.
Stand Oktober 2026: Die Betonarbeiten laufen. – GREENVILLE
Tiefbau, Hangsicherung, Erschliessung, Betonarbeiten und Bodenplatte sind an Fachfirmen vergeben. Danach kommt unser Teil: das Holzhaus.
Schalung, Stahl, Beton – das Fundament für ein Holzhaus
Ein Haus zum „Selberbauen“
Das Besondere an diesem Projekt: Die Familie macht alles, was geht, in Eigenleistung. Es ist ein echtes Do-it-yourself-Haus – um so viel Baukosten wie möglich zu sparen.
Wir liefern das Holzhaus inklusive dem Material für den Innenausbau. Den Ausbau selbst übernimmt der Bauherr komplett.
Das ist nicht billig bauen, sondern smart bauen. Profis dort, wo der Hang keine Fehler verzeiht. Eigene Hände dort, wo Zeit das Geld ersetzt.
Bauen am Steilhang: Was ich aus diesem Projekt mitnehme
Ein Hang ist heute ein anderer als 1950. Nicht, weil er sich bewegt hätte – sondern weil wir genauer hinschauen.
Wenn du am Hang bauen willst, dann lass den Baugrund untersuchen, bevor du dich in einen Keller verliebst. Und plane so, dass dein Haus auch dann noch funktioniert, wenn der Boden eine andere Geschichte erzählt als erhofft.
Wie es weitergeht
Dieses Haus begleite ich hier weiter. Im nächsten Teil zeige ich dir, wie das Holzhaus auf die Bodenplatte kommt.
Im Video nehme ich dich mit auf die Baustelle
Am Sonntag ist es soweit: Das Video kommt Live bei YouTube! Schalte ein um 11 Uhr!
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Mehr zum Thema: Bauen am Hang · Hangsicherung
Häufige Fragen zum Bauen am Steilhang (FAQ)
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Ja. Ein Haus am Steilhang kann auch auf einer Bodenplatte stehen, wenn der Hang dahinter gesichert ist – zum Beispiel mit einer grossen Stufe im Gelände und Betonsporen. Das spart Aushub und kann, wie bei diesem Projekt, sehr viel Geld sparen, wenn der Boden belastet ist oder die Hangsicherung sonst zu aufwändig wäre.
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Betonsporen sind massive Rippen aus Beton, die wie Strebepfeiler in den Hang greifen und das Erdreich abstützen. Bei diesem Projekt halten vierzehn Sporen mit je rund 80 auf 180 Zentimetern Querschnitt den Hang. Wie viele es braucht und wie sie bewehrt werden, berechnet der Statiker für jeden Hang individuell.
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Am Hang entscheidet nicht der Grundriss über das Budget – sondern das, was unter der Erde passiert. Bei diesem Projekt hat allein die Hangsicherung über einen Monat gedauert, und Erdarbeiten und Bodenaustausch für einen Keller wurden auf 200'000 Franken geschätzt. Deshalb haben wir den Keller gestrichen und den Hang mit einer einzigen grossen Stufe gesichert. Lass den Baugrund untersuchen, bevor du planst.
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Wird belasteter Boden ausgehoben, muss er in der Regel ausgetauscht und fachgerecht entsorgt werden. Das kann je nach Aushubmenge sehr teuer werden. Bei diesem Haus hätten Erdarbeiten und Bodenaustausch für einen Keller rund 200'000 Franken gekostet – deshalb wurde auf den Keller verzichtet.